Vintage Möbel und der gute Shabby Chic Stil: Mit altem Stil zu neuen Ufern
March 2013
ClosedOriginelle Einrichtungsgegenstände zu finden ist gar nicht so leicht und wer sich für ältere Epochen mit Chic und Eleganz zugleich begeistern kann, der muss natürlich auch die aktuell besonders trendigen Vintage und Shabby Chic Möbel kennenlernen.
Vereint wurden und werden in diesem Interieur zeitlich so völlig unterschiedliche Epochen wie Art Déco, Bauhaus und Jugenstil – kein Wunder also, wenn Shabby Chic beinahe Geschichten erzählen und ihre Ausstrahlung unbestritten auf die Umgebung übergreift. Berühmte Designer wie Le Corbusier oder Isamu Noguchi entwarfen und entwerfen diesen besonderen Chic und die Originale, oft aus den 60er Jahren, sind meist nur noch schwer zu bekommen. Es gibt aber selbstverständlich auch Nachbildungen, die in vielen Fällen durchaus gelungen sind und die Vintage und auch den gewissen Shabby Chic Charme in jedes Wohnzimmer holen. Sammler und Einrichter können hochwertige Einzelstücke erwerben oder eben dem darauf Bezug nehmenden Massenmarkt Anregungen entnehmen. Mittlerweile gibt es zum Beispiel in Asien und Amerika ganze Heerscharen von Sammlern, was die Preise für Originale natürlich in die Höhe treibt. Das überrascht auch nicht sonderlich, denn Möbel sind ähnlich wie Bilder oder Skulpturen für einige Menschen sehr interessante Anlageobjekte. Da die Vintage Möbel immer sehr gut gearbeitet sind, halten sie auch eine ganze Weile und so kann es vorkommen, dass ein Nierentisch von Isamu Noguchi weit mehr einbringt als freilich von Würmern zerfressener Holzaltar aus dem Hochmittelalter!
Shabby Chic Möbel kaufen
Wo aber sind denn nun überhaupt Shabby Chic Möbel auf dem Markt? Klar, es gibt natürlich die bereits erwähnten Auktionen, auf denen Klassiker zu Mondpreisen versteigert werden. Dort sitzen dann oft anonyme Bieter und heben fleißig ihre Kärtchen und nicht selten wandert ein wunderschönes Stück direkt in eine genaustens temperierte (und gesicherte) Lagerhalle, um niemals mehr ein Wohnzimmer zu verschönern, sondern allein um als Wertgegenstand vor sich hinzudämmern. Das ist natürlich sehr schade, jedoch auch ein Aspekt der freien Marktwirtschaft. Es ja kaum möglich, solche Sachen irgendwie zu reglementieren und so findet die Wirtschaft demgegenüber den scheinbar besten Weg: Es wird einfach nachgebaut. Nachbau jedoch ist nicht gleich Nachbau! Es gibt aktuelle Designer, die im Shabby Chic Stil entwerfen und deren Stücke gleichfalls auf Auktionen oder in sehr teuren Möbelgeschäften angeboten werden. Sie übernehmen einfach den Stil bestimmter Epochen, setzen bei der Herstellung auf ebenso wertvolle wie langlebige Materialien. An diesen Varianten ist selbstverständlich das meistens gelungene Zusammenspiel einer Kopie des Alten und dem oft hauchzart damit einhergehenden Einfluss der Gegenwart interessant. Designer erfinden die alten Stile noch einmal neu und sind deshalb auch so begehrt – und leider sehr teuer!
Für die Masse hat die Wirtschaft natürlich auch etwas parat und produziert aus diesem Zwecke fleißig die übliche, bekannte Ware für die großen Möbelhäuser. Auf den ersten Blick Vintage oder Shabby Chic, sind die dort angebotenen Teile meist nicht sehr hochwertig, wenn auch durchaus optisch gelungen. Man sollte sich freilich nicht darüber ärgern, sondern das Beste daraus machen!
Am sinnvollsten halte ich jedenfalls immer noch das Fachgeschäft. Das kann es im Internet geben, aber auch vor Ort um die Ecke. Dort führen die Verkäufer oft ein sehr interessantes Sortiment aus (erschwinglichem) Alten, stylish gelungenem Neuen und dazu passende Accessoire. Der Kunde wird gut beraten und sitzt garantiert keinen Fälschungen auf. Diese sind nämlich, vor allem im Netz ein echtes Problem und ein vorgebliches Originale, das als Schnäppchen offeriert wird, ist zu 99,9 Prozent eine Kopie aus China oder Vietnam! Nichts gegen die Fälscher an sich, sie wollen ja auch leben und arbeiten, aber wenn die Verkäufer besonders dreist auftreten, offerieren sie Fälschungen für hohe Preise – schlicht, um den Kunden zu verwirren! Es ist ungemein schwer, diese Kopien zu erkennen, allein nach einiger Zeit des Gebrauchs zeigen sich vielleicht die ersten Hinweise.
Deshalb gilt: Zunächst ins Fachgeschäft und sich beraten lassen!
Einrichten im Vintage und Shabby Chic Stil
Mancher glückliche Besitzer meint, mit dem Erwerb eines Vintage – Möbelstücks wäre die Sache geritzt und die Einrichtung automatisch mehr Wert. Das stimmt natürlich auch, allerdings kann Interieur dieser Art gleichfalls eine gegenteilige Wirkung entfalten.
So ist klar, dass ein Vintage Sessel immer ein Menge Platz für sich beansprucht. Er ist in der Regel nicht nur zum Sitzen gedacht, sondern gleichfalls zur Repräsentation und wer das nicht bedenkt, wird sich vielleicht nicht ganz wohl fühlen mit diesem guten und teuren Stück. Auch kann man Vintage nicht einfach unter das bereits Vorhandene einreihen, vielmehr empfiehlt sich eine harmonische Ausrichtung. Shabby Chic hält viel aus und kann auch sehr gerne mit ultramodernen Stücke kombiniert werden, aber dann sollten Form und vor allem Material wenigstens ungefähr ähnlich sein. Helles und dunkles Holz miteinander zu kombinieren ist nicht nur mutig, es kann auch richtig hässlich sein! Da erntet man vielleicht spöttische Blicke wo man eigentlich mit Bewunderung gerechnet hat.
Deshalb gilt: Ausprobieren und Geschmack entwickeln! Der Hintergrund sollte eher hell und in Pastell gehalten sein, die anderen Möbel dem Vintage und Shabby Stil Teil angemessen. Dieses darf ruhig auffallen, hervortreten, sollte dann aber auch seinen Platz erhalten. Niemand braucht den Nierentisch als Abstellfläche, er ist Couchtisch und Platz für Gegenstände des täglichen Lebens und Wohnens! Er passt sich dann auch wunderbar ein, in einer Ecke jedoch wirkt ein solches Designerstück geradezu lächerlich. Ein weiterer Vorteil dieser Möbel liegt demnach in der gerade sich aufdrängenden Pflicht, Geschmack zu entwickeln. Man muss sich beschäftigen und bildet dadurch den eigenen Charakter auch ästhetisch weiter. Klar, es gibt Neureiche, die überlassen das alles ihrem Innenausstatter und zeigen ihren Gästen dann stolz dieses und jenes Teil. Oft wissen sie dabei gar nicht, was Jugendstil oder Bauhaus bedeuten und ich persönlich finde es eine Schande, dass Geschmack für viele Menschen in dieser Form nicht entwickelbar ist, nur weil Ölscheichs und Kohlerussen den Markt leerkaufen. Aber ich halte die Marktwirtschaft eben auch für angemessen und den besten Weg, so dass ich mich diesem Zuständen unterwerfen muss.
Vintage funktioniert zudem gut und gern auch über Kontrast. Wer mal Kataloge und Bildbände über die Einrichtungen vergangener Epochen sich ansieht, der erkennt eine oft farblich sehr intensive Gestaltung von Wänden und Decken. Dazu passen Vintage Möbel sehr wohl und wer will, kann diese selbst sogar farblich umgestalten. Es gibt bunte Bezüge für das Jugendstil – Sofa (das dadurch auch geschont wird) und unzählige Variationen an Lacken und Farben für Holz wie Metall. Ausprobieren ist da Pflicht, wenn auch nur in Gedanken! Aber wer eine alte Bauhauslampe doch auf irgendeinem Trödelmarkt findet, der kann sie auch gerne neu anstreichen und sie dadurch in interessanten Kontrast zur Umgebung setzen. Das funktioniert ganz ausgezeichnet und lässt sich leicht bewerkstelligen.
Shabby Chic ist ein Trend, den es zu reiten gilt. Jeder, der sich für Möbel und Einrichtungen interessiert, sollte sich damit beschäftigen. Epochen wie das Bauhaus haben schließlich zur Befreiung vom historistischen und klassizistischen Mief beigetragen, auf Stilen wie Art Déco ruht unsere postmoderne Gesellschaft. Warum also nicht ein wenig von dieser alten, versunkenen Zeit in unsere Welt mit hinübernehmen? Die Möbel aus dieser Zeit waren jedenfalls schön und gelungen, sie repräsentierten und sind deshalb auch weiterhin Inspiration für viele Designer und Künstler geblieben. Warum also nicht auch für uns?
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